Freitag, 20. November 2009

Heckenschützen

Unser neues Auto ist da! Allerdings hat es den Weg von Rumänien nach Duisburg nicht ganz schadlos überstanden. Telefonisch überbrachte uns der Händler die Nachricht, dass der Wagen über der Hecktür einige Macken habe, deren Herkunft man sich nicht erklären könne. Bei der Übergabe im rumänischen Werk sei alles in Ordnung gewesen. Der Schaden wird natürlich fachgerecht beseitigt und als Entschädigung erhalten wir Lautsprecher und den komplizierten Einbau derselben nebst Radio. Übrig blieb nur das Rätsel, wie es zu dem Schaden kommen konnte; bis ich heute morgen meine Tageszeitung zur Hand nahm...

Unter dem Titel "Löcher im Lack" berichtete die WAZ (wie auch andere Zeitungen) über einen Irren, der seit Wochen irgendwo an süddeutschen Autobahnen auf der Lauer liegt und mit scharfer Munition insbesondere auf Autotransporter schießt. Neben 250 gezählten Treffern auf Autos hat es inzwischen auch eine schwer verletzte Autofahrerin gegeben. Näheres dazu hat das Bundeskriminalamt veröffentlicht. Nun bin ich kein Polizeitechniker und kann nicht beurteilen, ob der Schaden wirklich auf einen Schuss zurückgeht, aber klingt es nicht sehr plausibel?

Hobbykriminologen können ja auf das Foto klicken um den Schaden genauer zu begutachten.

Montag, 2. November 2009

a-ha in Köln: The Living Daylights



Am letzten Dienstag, dem 27. Oktober, fand der Auftakt der möglicherweise letzten Welttournee von a-ha in der Kölner Lanxess-Arena vor zehntausend begeisterten Fans statt. Einer davon war ich.

Die drei Norweger beabsichtigen, ihre 25jährige gemeinsame Karriere im Dezember nächsten Jahres mit zwei Konzerten in Oslo zu beenden. Nun hatten sie zwar in den 90er Jahren schon einmal eine siebenjährige Pause eingelegt, aber so endgültig wie jetzt klang es damals nicht. Der Entschluss ist auch deshalb bedauerlich, weil ihr aktuelles Album Foot Of The Mountain so erfolgreich läuft wie keines seit dem Comeback mit Minor Earth Major Sky im Jahre 2000.

"Cologne is the best place to start our tours!" verkündete Morten Harket schmunzelnd, bevor die Jungs neben fünf Stücken vom neuen Album in der ausverkauften Halle vor allem einen Parforceritt durch ein Vierteljahrhundert Chartsgeschichte vollführten. Kaum ein bekanntes Lied fehlte im Repertoire des Abends. Bühnendekoration gab es kaum, aber das war auch nicht nötig: Visuell wurde jedes Stück durch die Möglichkeiten einer Vielzahl unterschiedlich großer Leinwände über der Bühne zu einem kleinen Video- und Lichtkunstwerk.

Allen Unkenrufen zum Trotz war auch das Markenzeichen von a-ha, die Stimme von Sänger Morten Harket, in guter Verfassung. Natürlich klingt der gerade 50 gewordene Frontmann nicht mehr genau so wie mit 25, aber nur etwas älter, nicht schlechter. Die erste Zugabe endete mit dem James-Bond-Hit The Living Daylights. Das Publikum in Partystimmung hörte nicht auf den Refrain zu singen, bis die Jungs nach mehreren Minuten zurückkehrten und das Stück instrumentell wieder aufnahmen. Mit dem unvermeidlichen Überhit Take On Me schloss sich nach zwei Stunden der Kreis, der mit The Sun Always Shines On TV begonnen hatte.

Neben dem obigen findet man auf YouTube eine Reihe von Videoaufnahmen unterschiedlicher Qualität. Guten Klang darf man natürlich bei diesen Handyvideos nicht erwarten, aber zumindest einen Eindruck bieten sie doch.

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Die Köstliche von Charneux

Vier junge Bäume bilden die kleine Obstwiese hinter unserem Haus: Ein Kirsch-, ein Pflaumen- ein Apfel- und ein Birnenbaum. Heuer war erstmalig Birnenernte angesagt. Wobei es schon erstaunlich ist, wie das schmale, zerbrechlich wirkende Jungholz sechs kräftige, reife Birnen hervorbringen konnte, ohne von deren Gewicht zu Boden gezogen zu werden. Vielleicht hat es sie deshalb rechtzeitig abgeworfen. Alle, bis auf eine Frucht, der erst der kräftige Sturm des gestrigen Tages den Garaus gemacht hat. Glücklicherweise landeten sie allesamt im weichen Gras und konnten daher ohne Verluste nutzbar gemacht werden. So lag bald die Kompletternte 2009 in ihrer ganzen Pracht vor uns auf dem Tisch. Wie können wir diesen Premierenfrüchten der Sorte Köstliche von Charneux die ihnen gebührende Ehre zuteil werden lassen? Nach einiger Rezeptrecherche fiel unsere Wahl auf zwei köstliche Dessertvarianten.

Zunächst kreierten wir mit viel Karamel und einem Schuß Cointreau leckere Birnen-Crêpes. Die zweite Hälfte der Jahresernte war dann der Königin aller Birnenrezepte vorbehalten, der Poire belle Hélène, also der klassischen Birne Helene mit Vanilleeis und viel Schokoladensauce. Köstlich!













(Fotos Baum, Helene: Franz; Foto Crêpes: Mario)

Dienstag, 13. Oktober 2009

Herbst am Meer

Wolken und Regen, ein wenig Sonne und vor allem Wind. Gischt und unruhige See, hohe Wellen, die das Rauschen des Windes in den Bäumen deutlich übertönen. Menschenleere Strände gibt es nicht. Nicht, weil sie nicht menschenleer wären, sondern weil es keine Strände gibt. Bis an den Fuß der Dünen treibt die Brandung ihre Ausläufer, wo sie kleine Hügel aus schaumigen Algen hinterlassen.

Dick eingezwiebelt in diverse Schichten Kleidung unterschiedlicher Funktion - die innen zum Wärmen, die außen gegen den Wind - eine Viertelstunde am Strand zu sitzen heißt verstehen, warum bei Atemwegserkrankungen aller Art das Reizklima an der See empfohlen wird. Die feuchtsalzige Luft tief in die Lunge inhalieren.

Zurück in Barth ein paar Minuten im Garten sitzen. Die hier viel sanftere Brise genießen. Zuhören, wie sie die gelb gefärbten Blätter der Bäume am Wallgang zum Rauschen bringt. Bis plötzlich das Krächzen aus hunderten von Vogelschnäbeln direkt von oben alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. In Form eines "V", manchmal auch eines "W", gleitet die strenge Formation der Kraniche auf dem Weg vom Landesinneren zu den Schlafplätzen im seichten Wasser zwischen dem Zingst und Hiddensee über uns hinweg. Mit beginnender Dämmerung um 18 Uhr tauchen sie auf, jeden Tag, verlässlich wie ein Uhrwerk. Bis sie die weite Reise zum Mittelmeer antreten. Aber dann sind wir wohl auch längst weg.

(Foto Mario: Franz; Foto Franz: Mario)

Freitag, 9. Oktober 2009

Rot-Rot-Grün und der 9. Oktober

Die WAZ veröffentlicht heute aus Anlass des zwanzigsten Jahrestages der ersten großen Leipziger Montagsdemo ein Interview mit Werner Schulz, Mitbegründer des Neuen Forums, langjähriger Bundestags- und heute Europaabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen. Er erzählt, mit welcher Angst die 70.000 Leipziger damals durch die Straßen zogen: "Politbüro-Mitglied Egon Krenz hatte zudem offen Sympathie für die chinesische Regierung bekundet, die kurz zuvor den Protest der Studenten in Peking blutig niedergemetzelt hatte. Die chinesische Lösung schwebte wie ein Damoklesschwert auch über uns."

In der gleichen Zeitung wird an anderer Stelle der NRW-Landesvorsitzende der Partei Die Linke, Wolfgang Zimmermann, mit dem Satz zitiert: "In der DDR war nicht alles schlecht". Ein furchtbarer Satz, völlig unabhängig von seinem faktischen Wahrheitsgehalt; ein Totschlag-Statement, dessen einziger Zweck darin besteht, Unrecht zu relativieren. Zu Recht können wir es nicht ertragen, wenn bei Diskussionen mit Ewiggestrigen über die NS-Zeit irgendwann der unvermeidliche Autobahn-Satz fällt. Am lautesten schreit dann vermutlich Herr Zimmermann, ohne zu begreifen, dass sich seine DDR-Äußerung in ihrem Subtext gar nicht groß davon unterscheidet.

Die gedruckte Nähe dieser beiden Artikel macht mich jedenfalls ein wenig stolz auf meine Partei. Teil der Geschichte von Bündnis 90/Die Grünen sind die Menschen, die gewaltlos demonstrierend vor den Stasi-Zentralen "Wir sind das Volk" skandiert haben. Teil der Geschichte der Partei Die Linke sind die Herrschaften, die zur gleichen Zeit hinter deren verschlossenen Türen verräterische Spitzel-Akten geschreddert haben.

Ich mag Die Linke nicht, schon gar nicht in NRW. Verbalradikale Programmaussagen aus der politischen Mottenkiste bestätigen mich. Und das Personalangebot überzeugt mich auch nicht. Die eine Hälfte besteht aus alternden Gewerkschaftsfunktionären, die glauben, Kohle wäre nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft des Ruhrgebiets. Und die andere Hälfte sind die Sektierer, die uns schon in den Achtziger Jahren in Initiativen und Bündnissen auf die Nerven gegangen sind.

Ich bin dennoch dafür, dass wir in Land und Bund die Option Rot-Rot-Grün aufmachen. Die einzige Möglichkeit, die irrationale Faszination dieser Partei für viele Wähler auf den Prüfstand zu stellen, ist die Konfrontation mit der Realität. Dann wird sich entscheiden, welchen Weg sie gehen will. Im besten Fall eröffnet sich wieder eine Perspektive zur Umsetzung nachhaltiger grüner Politikansätze an der Seite zweier leicht variierter sozialdemokratischer Parteien. Denn wir werden es uns auf Dauer nicht leisten können, Wahlkämpfe ohne Machtoptionen zu führen!

(Foto: Gahlbeck, Friedrich, Wikipedia Commons Bundesarchiv)

Donnerstag, 8. Oktober 2009

PopPerlen: Steve Harley & Cockney Rebel - Make Me Smile




Ich war zwölf, als Make Me Smile (Come Up And See Me) die Hitparaden stürmte. An manche Favoriten aus der frühen Jugend erinnert man sich mit 47 allenfalls mit einem nachsichtigen Lächeln, aber diesen Song liebe ich noch heute. Als das CD-Zeitalter begann, habe ich mir eine inzwischen vergriffene Greatest Hits-Zusammenstellung von Steve Harley und Cockney Rebel gekauft, auf der viele weitere Perlen zu finden sind. Insbesondere beeindruckt Harleys Vielfalt: Man hat an keiner Stelle den oftmals verbreiteten Eindruck, dass sich jemand selbst kopiert. Im Gegenteil. Songs wie Mr. Soft, Judy Teen (hier in einer Liveversion von 1984) oder Love's A Prima Donna beweisen es.

Bis heute eine der schönsten Rockballaden aller Zeiten ist auf dem Debutalbum The Human Menagerie von 1973 zu finden und heißt Sebastian (hier in einer beeindruckenden Liveversion von 1989).

Von Harley und seiner Band sind sowohl der komplette Backkatalog als auch zahlreiche Best Of-Alben unterschiedlicher Qualität auf CD erhältlich. Mein Kauftipp ist The Cockney Rebel - A Steve Harley Anthology, ein 3-CD-Boxset aus dem Jahr 2006, komplett remastered, das einen umfassenden Blick auf sein bis heute fortgesetztes Schaffen gibt und natürlich alle wichtigen Titel aus der Erfolgszeit in den Siebzigern enthält.

Ich habe bei der Recherche für diesen Blogeintrag ein nettes Filmchen entdeckt, das aktuelle Bilder der Band zeigt. Darin erzählt Harley die Geschichte von zwei entfernt verwandten Zwanzigjährigen, die um Tickets für ein Cockney Rebel-Konzert gebeten hatten. Hinterher bedankten sie sich bei ihm für die Tickets und zeigten sich völlig erstaunt, dass Steve das komplette zweistündige Konzert hindurch live gesungen habe. Sie hätten vorher nur Justin Timberlake gesehen, und dessen Gesang auf der Bühne sei vom Band gekommen. O tempora o mores...

Konferenztische, Konferenztische...

Im Moment spielen sich weite Teile meines Alltags an derartigen Tischen (okay, etwas kleiner, und Truman und Stalin waren auch nicht dabei...) ab. Vorgespräche, Sondierungen, Verhandlungen über rot-grüne Zusammenarbeit gleich auf drei Ebenen beanspruchen viel Zeit. Über Ergebnisse werde ich zu gegebener Zeit berichten; im Moment nur so viel: Alles wird gut! :-)

Nichtsdestotrotz braucht man bei all diesen Mühen auch mal eine Auszeit. Deshalb geht es Sonntag zumindest für eine Woche nach Vorpommern. Mehr ist zurzeit nicht drin, denn nach den Herbstferien warten schon die konstituierenden Sitzungen des neuen Rates und des neuen Kreistages. Bis dahin sollten Verabredungen in trockenen Tüchern sein, und das wird auch die zweite Ferienwoche in Anspruch nehmen!

(Foto: Urheber unbekannt, Wikipedia Commons Bundesarchiv)

Dienstag, 22. September 2009

Blau-Weiß statt Schwarz-Gelb

Eine sehr nützliche Verwendung für ein grünes Wahlplakat fand der Gladbecker Frank R.. Vor dem Besuch in der Arena zu einem Heimspiel des FC Schalke 04 rief er bei uns an und bat um eines dieser Plakate mit dem Atommüllfass und dem durchaus doppeldeutigen Slogan SCHWARZ-GELB NEIN DANKE! Komischerweise sind diese Poster überall im Ruhrgebiet zu sehen, nur die KollegInnen von den Dortmunder Grünen hatten sich entschlossen, lieber andere Motive zu verwenden.

Leider hat es nicht geholfen, der VfL Wolfsburg gewann mit 2:1. Aber nächsten Samstag ist Derbyzeit im Westfalenstadion: BVB gegen S04. Wenn da der komplette Gästeblock die grünen Plakat hochhielte: Dann müsste es doch klappen!

Und wenn dann tags drauf auch noch viele Leute ihr Kreuzchen an der richtigen Stelle machen, bleibt uns Schwarz-Gelb auch in Berlin erspart :-)

Danke an Frank R. für die Zusendung des Fotos, das durch Draufklicken vergrößert werden kann.

Modefarben

Ich könnte ja zurzeit fast jeden Tag über neue politische Entwicklungen schreiben, aber das Wesen der diversen Gespräche zwischen Parteien nach einer Wahl ist nunmal, dass sie vertraulich sind. Das hat auch einen Sinn: Ständige Wasserstandsmeldungen, die öffentlich kommentiert und diskutiert werden, verhindern, dass man ein Gesamtpaket schnüren kann, in dem sich alle Beteiligten angemessen wiederfinden. Es gibt ja durchaus Zwischenstände, die vermeldet werden. So hat die Nachricht von SPD und Grünen, dass nach erfolgreicher Sondierung nun inhaltliche Gespräche über eine langfristige Zusamenarbeit folgen sollen, in Gladbeck für einige Überraschung gesorgt. Eine rot-grüne Perspektive hatten viele Beobachter hier wohl nicht ganz vorne auf ihrer Erwartungsskala. Entsprechend fallen auch der Bericht und der Kommentar der WAZ aus. Und die Stellungnahme der Wählergemeinschaft BiG trieft nur so von beleidigter Leberwurst.

Es ist sowohl arithmetisch naheliegend als auch kein Geheimnis, dass auf den anderen beiden Ebenen, mit denen ich zu tun habe, also dem Kreistag Recklinghausen und der Verbandsversammlung des Regionalverbandes Ruhr, die Modefarben rot und grün ebenfalls eine Rolle spielen. Aber dazu später mehr. Ihr wisst schon: Vertraulichkeit!

Dienstag, 15. September 2009

BonsaiElefantenRunde
















Der Klassiker im Gladbecker Vorwahlkampf ging heute abend in Brauck über die Bühne. Die KAB St. Marien hatte zur obligatorischen Diskussionsrunde eingeladen. Und - abgesehen vom Kandidaten der Linken, dessen Platz frei blieb - kamen die Wahlkreiskandidaten dann auch. Auf dem Bild von links: Liebehenz (FDP), Volmering (CDU), Moderator, Gerdes (SPD) und Reitmeyer (Grüne). Die Bewerber stritten über Mindestlohn und Wirtschaftskrise, Bildungspolitik und Integration. Keiner fiel unangenehm auf, alle dürften die Erwartungen der jeweiligen Klientel halbwegs erfüllt haben. Beobachtet wurde das Ganze von den anwesenden Parteigängern - leider nur von denen. Hätte man alle Mitglieder politischer Parteien gebeten, den Raum zu verlassen, hätte die anwesende WAZ-Redakteurin die Diskussion wohl allein verfolgt...